Was ist eigent­lich ein Kli­ma­wald?

wald

Wer sich näher mit den The­men Wald- und Kli­ma­schutz befasst oder sich auf der Web­site von Tree­Plan­ting­Pro­jects umsieht, wird frü­her oder spä­ter auf das Wort „Kli­ma­wald“ sto­ßen. Der Begriff ist in gewis­ser Wei­se zu einer Art Mode­wort gewor­den, das häu­fig im Zusam­men­hang mit der Kli­ma­kri­se ver­wen­det wird. Doch nicht nur Non-Pro­fit-Orga­ni­sa­tio­nen spre­chen ger­ne vom „Kli­ma­wald“: Mitt­ler­wei­le ist der Begriff auf den höchs­ten Ebe­nen der deut­schen Poli­tik ange­kom­men. So for­der­te zum Bei­spiel Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze vor kur­zem, dass in Deutsch­land „Kli­ma­wäl­der, die CO2 bin­den“ ent­ste­hen sol­len und auch der Baye­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder hat das The­ma für sich ent­deckt.

Nun ist es aber mit dem Kli­ma­wald ähn­lich wie mit vie­len ande­ren Buz­z­words: Der Begriff ist einer­seits sehr ein­gän­gig. Jeder und jede kann sich etwas dar­un­ter vor­stel­len. Was aber genau gemeint ist, fällt von Per­son zu Per­son stark unter­schied­lich aus. Man den­ke bei­spiels­wei­se an die all­ge­gen­wär­ti­ge „Nach­hal­tig­keit“. Ein Wort, das zwar einer­seits von seriö­sen Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen gebraucht wird, das aber auch Unter­neh­men aller Cou­leur ger­ne für sich bean­spru­chen. So behaup­tet der Nest­lé Kon­zern – bekann­ter­ma­ßen nicht unbe­dingt ein Vor­rei­ter in Sachen Umwelt­schutz – auf sei­ner Web­site: „Nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten ist die Grund­la­ge unse­rer […] Unter­neh­mens­stra­te­gie“.
Um den Begriff „Kli­ma­wald“ also schär­fer zu umrei­ßen, soll hier geklärt wer­den was ein Kli­ma­wald im Sin­ne von Tree­Plan­ting­Pro­jects ist und wie er sich von ande­ren Wäl­dern unter­schei­det.

Laubwald
Die Mischung ver­schie­de­ner Baum­ar­ten trägt maß­geb­lich zur Wald­ge­sund­heit bei. Foto: Pixabay

Kli­ma­wäl­der bin­den CO2

Ein wich­ti­ger Punkt, der Kli­ma­wäl­der aus­macht, ist der Grund aus dem sie ange­legt und gepflegt wer­den. Wie die Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin ganz rich­tig fest­ge­stellt hat, sol­len Kli­ma­wäl­der CO2 bin­den. Hier könn­te man berech­tig­ter­wei­se ein­wen­den, dass alle Bäu­me (und damit auch alle Wäl­der) die­ser Auf­ga­be von Natur aus nach­kom­men. Der Fakt, dass Bäu­me CO2 bin­den kann also nicht das allei­nig ent­schei­den­de Merk­mal sein, das den Kli­ma­wald defi­niert. Wor­in besteht also der Unter­schied zum Fich­ten­forst, zum Baum in der Fuß­gän­ger­zo­ne oder zum Ficus im Wohn­zim­mer?

Der wohl wich­tigs­te Gesichts­punkt ist, dass Kli­ma­wäl­der aus­drück­lich mit der Inten­ti­on ange­legt wer­den, mit ihrer Hil­fe mög­lichst viel CO2 über einen mög­lichst lan­gen Zeit­raum zu spei­chern. Alle ande­ren Fak­to­ren, die bei der Pla­nung von Wäl­dern und ande­ren Grün­flä­chen häu­fig im Mit­tel­punkt ste­hen (wie z.B. wirt­schaft­li­che oder ästhe­ti­sche Aspek­te) müs­sen strikt den Bedürf­nis­sen des Kli­ma­schut­zes und der CO2-Bin­dung unter­ge­ord­net wer­den. Das Ziel ist, zukunfts­fä­hi­ge, robus­te Wald­ge­bie­te zu schaf­fen, die auf lan­ge Sicht als CO2-Spei­cher fun­gie­ren.
Und genau das ist der Unter­schied: Kli­ma­wäl­der sind kon­zi­piert, um den Effek­ten der glo­ba­len Erwär­mung zu wider­ste­hen, die bereits heu­te vie­len Forst­wir­ten in Deutsch­land zu schaf­fen machen. Zu lan­ge hat man in ers­ter Linie die wirt­schaft­li­che Nutz­bar­keit von Wald­flä­chen prio­ri­siert und den Umwelt­aspekt ver­nach­läs­sigt.

Kli­ma­wäl­der sind der Gegen­ent­wurf zur Mono­kul­tur

Wer in Deutsch­land nach Wäl­dern Aus­schau hält, die dem Kli­ma­wan­del nicht gewach­sen sind, muss nicht lan­ge suchen bis er oder sie auf die ers­ten Mono­kul­tu­ren stößt. Ver­trock­ne­te Baum­kro­nen und abge­bro­che­ne Stäm­me sind in sol­chen Wäl­dern meist auf den ers­ten Blick zu sehen. Man muss kein Forst­ex­per­te sein, um zu erken­nen, dass hier etwas nicht stimmt.

War­um ist das so? Ein Grund ist die Aus­wahl der gepflanz­ten Bäu­me. In Deutsch­land sind Fich­ten-Mono­kul­tu­ren sehr ver­brei­tet. Fich­ten machen rund 40% des Deut­schen Wal­des aus – und sind für die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels in beson­de­rem Maße anfäl­lig! Die Fich­te kommt in natur­be­las­se­nen Wald­ge­bie­ten haupt­säch­lich in Höhen­la­gen vor (d.h. in Gebie­ten die min­des­tens 500m über dem Mee­res­spie­gel lie­gen). Sie hat daher in vie­len Anbau­ge­bie­ten von Haus aus einen Nach­teil, da die Evo­lu­ti­on sie nicht auf die öko­lo­gi­sche Nische vor­be­rei­tet hat, in die sie der Mensch drän­gen möch­te.

Beschä­dig­te und umge­stürz­te Bäu­me sind kein sel­te­nes Bild in deut­schen Wäl­dern. Foto: TPP

Aber die Pflan­zung von Bäu­men in für sie unge­eig­ne­ten Lebens­räu­men ist nur der ers­te in einer lan­gen Rei­he von Feh­lern, die bei der Anla­ge von Mono­kul­tu­ren aus öko­lo­gi­scher Sicht began­gen wer­den und die es bei der Pflan­zung von Kli­ma­wäl­dern zu ver­mei­den gilt.
In Mono­kul­tu­ren wer­den, wie es der Name schon sagt, haupt­säch­lich gleich­ar­ti­ge Bäu­me kul­ti­viert. Dies kann zwar durch­aus wirt­schaft­li­che Vor­tei­le bie­ten, hat aber kata­stro­pha­le Aus­wir­kun­gen auf die Wider­stands­fä­hig­keit des Wal­des. Denn nicht nur Forst­be­trie­be spe­zia­li­sie­ren sich ger­ne auf eine spe­zi­el­le Baum­art – auch Schäd­lin­ge wie zum Bei­spiel der Bor­ken­kä­fer haben ihre Lieb­lings­bäu­me und kön­nen sich beson­ders schnell ver­brei­ten, wenn ihr Leib­ge­richt auf engem Raum in Fül­le ange­bo­ten wird.
Auch der Wald­bo­den lei­det unter den Mono­kul­tu­ren: Durch die hohe Anzahl von Bäu­men und Wur­zel­sys­te­men der­sel­ben Art wer­den ihm die immer glei­chen Nähr­stof­fe ent­zo­gen. Dadurch nimmt auf lan­ge Sicht die Boden­frucht­bar­keit im Ver­gleich zu Misch­wäl­dern stark ab. Und in Mono­kul­tu­ren, die in ers­ter Linie aus Nadel­bäu­men bestehen, hat der Boden noch ein zusätz­li­ches Pro­blem: abge­fal­le­ne Nadeln ver­dich­ten nach und nach die obe­ren Schich­ten und füh­ren so mit der Zeit zu einer Über­säue­rung.

Aus Feh­lern ler­nen — Die Mono­kul­tur als Lehr­stück

Bei der Pflan­zung von Kli­ma­wäl­dern müs­sen wir aus den Feh­lern der Ver­gan­gen­heit ler­nen. Um dem Ziel der CO2 Bin­dung auf lan­ge Sicht gerecht wer­den zu kön­nen, ist es abso­lut not­wen­dig auf eine gesun­de Mischung der Baum­ar­ten zu ach­ten. Nur so kann gewähr­leis­tet wer­den, dass die Bäu­me ange­sichts der Kli­ma­kri­se die best­mög­li­chen Über­le­bens­chan­cen haben. Der Kli­ma­wald ist also ein robus­ter Misch­wald, der vor­ran­gig exis­tiert, um die Umwelt zu schüt­zen. Wirt­schaft­li­che Inter­es­sen und Gewinn­ma­xi­mie­rung sind hier fehl am Platz.

Es ist nun unse­re Auf­ga­be, dafür zu sor­gen, dass die Wäl­der, die wir kom­men­den Genera­tio­nen hin­ter­las­sen, für die Zukunft gerüs­tet sind. Wenn du Lust hast mit­zu­hel­fen, schau ger­ne auf www.TreePlantingProjects.com vor­bei, und mach mit uns den Wald fit für den Kli­ma­wan­del.

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