Mischwald: Erst abgeholzt, jetzt dringend benötigt

Ab dem Mittelalter wurden in Europa natürliche Mischwälder abgeholzt. Heute müssen wir die entstandenen Monokulturen aber dringend wieder zu artenreiche Wälder umbauen, denn sie haben viele Vorteile für das Klima.
Mischwald ist ökologisch sinnvoller als Monokulturen

Zu erklären, was ein Mischwald ist, sollte so schwer nicht sein. Das lernt man schließlich spätestens in der 3. Klasse HSK-Unterricht. Eine offizielle Definition gibt es aber tatsächlich nicht. Klar ist: Mischwälder bestehen aus mehr als einer Art von Bäumen. 

Die Bundeswaldinventur sagt, ein Mischwald muss aus mindestens zwei verschiedenen botanischen Gattungen bestehen. Zwei verschiedene Eichenarten reichen also nicht, ein Wald aus Eichen und Buchen hingegen erfüllt die Kriterien. Dabei können die Baumarten einzelstamm-, gruppen- oder flächenweise vermischt sein.

Vorteile von Mischwald

Von Natur aus sind die meisten Wälder in Europa Mischwälder. Allerdings hat man ab dem Mittelalter begonnen, Mischwälder abzuholen und durch  Monokulturen aus Fichten oder Kiefern zu ersetzen. Denn diese waren wirtschaftlich ertragreicher. 

Warum sind nun plötzlich alle wieder so scharf auf Mischwälder (TPP zum Beispiel)? Weil Monokulturen schon jetzt stark unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden. Mischwälder sind da resilienter. 

Zu den ökologischen Vorteilen des Mischwalds zählen:

Diese Vorteile des Mischwalds sind wissenschaftlich bewiesen – und zwar überall auf der Welt. Eine internationale Studie hat 126 Fallstudien von etwa 60 Flächen auf fünf Kontinenten untersucht und mit Monokulturen verglichen. Das Ergebnis: Durch die Bank speichern artenreiche Wälder nicht nur mehr Kohlenstoff, sondern sind auch um 15 Prozent produktiver.

Mischwälder sind schöner und ertragreicher

Mischwälder haben aber nicht nur Vorteile für das Klima. Sie sind außerdem attraktiver für Spaziergänge oder fürs Waldbaden. Außerdem liefern sie besseres Trinkwasser und schützen effektiver vor Naturgefahren, besonders in den Alpen. Auch für Wild bieten sie optimalen Lebensraum.

Studien haben außerdem gezeigt, dass sich mit einem Mischwald höhere wirtschaftliche Erträge erzielen lassen als mit Holz aus Monokulturen. Stabilere Bestände können direkte und indirekte Klimaschäden besser abpuffern und Bäume in Mischwäldern wachsen schneller. Die Besitzer*innen können mehr Holzarten anbieten und sind damit weniger von Preisschwankungen auf dem Holzmarkt betroffen. Eine Monokultur zu diversifizieren ist für Waldeigentümer*innen eine rentable Risikostreuung.

Waldumbau: Mischwälder pflanzen

Es ergibt also in vielerlei Hinsicht Sinn, unsere heimischen Monokulturen in Mischwälder umzubauen. Aber wie funktioniert der Waldumbau? Das kommt auf das Alter des Bestands und die Ausgangssituation an.

Zu einem Mischwald kommt man durch:

Bei allen Pflanzprojekten spielt der Wildbestand eine wichtige Rolle. Damit die Aufforstung erfolgreich ist, müssen Jungbäume vor Wildverbiss geschützt werden. Das Mittel der Wahl ist dabei immer öfter ein Forstzaun.

Welche Bäume eignen sich für Mischwald?

Wichtig bei der Auswahl der Bäume für den Umbau zum Mischwald sind neben Standortansprüchen auch ihr Konkurrenzverhalten. Verschiedene Arten haben unterschiedliche Lichtansprüche, Höhenwuchsdynamik und Lebensdauer.

Am besten setzt man auf heimische Baumarten. Nadelbäume wie Tanne und Douglasien sind oft gut geeignet. Welche für die jeweilige Fläche am besten geeignet ist, sollte man mit dem/der zuständigen Förster*in klären. Eine solche Beratung ist kostenlos und beim Forstamt erfährt man zudem genaueres über staatliche Fördermöglichkeiten für den Waldumbau.

Waldumbau mit TPP

Wir können dir helfen, deinen Wald in einen zukunftsfähigen Mischwald umzubauen. Sieh dir unsere Konzept für Waldbesitzer*innen an.

Waldumbau in Bayern

In Bayern wird der Waldumbau seit den 1970er-Jahren gefördert. 1971 stellte der damalige bayerische Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann einen Waldfunktionsplan vor. Drei Jahre später wurde das erste bayerische Waldgesetz verabschiedet. Es sieht vor, standortgemäße und naturnahe Wälder zu bewahren oder wiederherzustellen. 

Vierzig Jahre später ist der Laubholzanteil in Bayern zwar von 22 auf 36 Prozent gestiegen, aber es gibt weiterhin viel zu tun. Deshalb bietet der Freistaat nach wie vor viele Fördergelder, die es Waldbesitzer*innen ermöglichen, ihre Monokulturen zu Mischwäldern umzubauen.

Rund 42 Prozent der Bäume in Bayern sind Fichten. Die Kiefer ist mit 17 Prozent am zweit weitesten verbreitet. Auch die Buche hat mit knapp 14 Prozent noch einen zweistelligen Anteil. Eiche, Tanne und Lärche liegen alle unter 10, die Douglasie sogar unter einem Prozent.

Leider ist die Fichte besonders anfällig für die Folgen der Klimakrise, wie etwa die rasante Ausbreitung des Borkenkäfers. Viele Schädlinge sind nämlich auf eine Baumart spezialisiert. Weil es in Monokulturen zu wenig Fressfeinde gibt, können sie dort schnell großen Schaden anrichten. 

Deshalb brauchen wir Mischwälder dringender denn je.

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Foto von Nathan Anderson auf Unsplash
 
 
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