Weshalb der Borkenkäfer für unsere Wälder so gefährlich ist

Buchdrucker und Kupferstecher richten in Wäldern große Schäden an. Dabei ist der Borkenkäfer in Maßen ein wichtiger Teil des Ökosystems Wald.
Warum Borkenkäfer so gefährlich für deutsche Wälder ist

Ratten, Schlangen, Katzen: Selbst die hässlichsten, ekeligsten und eingebildetsten Tiere haben Menschen, die sie verteidigen, sie als Haustiere halten und schützen. Nur der Borkenkäfer, der hat nirgends Freunde. 

Man sieht ihn als Baumvernichter sondergleichen, wegen dem ganze Waldstücke niedergesägt werden müssen. Ein bisschen unfair ist das, denn in Maßen ist das Geziefer sogar wichtig für das Ökosystem Wald. Er befällt ohnehin kranke Bäume und macht so Platz für neue, gesunde. Wenn er allerdings die Chance hat, sich unkontrolliert zu vermehren, kann der Käfer sagenhaften Schaden anrichten.

Sehen wir uns an, was der Borkenkäfer in unseren Wäldern anrichten kann, warum er zu einem solchen Problem geworden ist, wie man ihn bekämpfen kann und was das alles mit dem Klimawandel zu tun hat.

Was ist ein Borkenkäfer?

In Deutschland gibt es zwei Arten von Borkenkäfern, die den größten Schaden verursachen: der Buchdrucker und der Kupferstecher. Sie sind sozusagen Germany’s Most Wanted. Es sind aber nicht die einzigen Borkenkäfer, die es hierzulande gibt. Es handelt sich nämlich um eine artenreiche Spezies (allein in Deutschland gibt es rund 110 Arten). Borkenkäfer sind 0,7 bis 12 Millimeter lange braune oder schwarze Käfer, die sich unter der Borke oder im Holz von Bäumen in selbstgebohrten Gängen – den ungeschönt benannten Rammelkammern – fortpflanzen. Und zwar rapide. Karnickel sind dagegen keusche Lebewesen.

Aber der Borkenkäfer ist nicht von Natur aus gefährlich: Als Primärkonsument spielt er eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf des Waldes. Er zersetzt verrottende Totholzbestände. Zumeist nistet er sich in geschädigte oder abgestorbene Nadel- oder Laubbäume ein. In Mitteleuropa sind hauptsächlich Fichten vom Borkenkäfer befallen. Einige Arten greifen aber auch gesunde Bäume an – besonders wenn die Population aufgrund günstiger Witterungsbedingungen wächst.

Das Problem: Durch den Klimawandel gibt es a) immer mehr geschwächte Bäume und b) immer bessere Witterungsbedingungen für Borkenkäfer.

Günstige Bedingungen für Borkenkäfer heißt:

Dann steigt die Population rasend schnell an. Durch Massenvermehrung werden aus den netten, nützlichen Waldbewohnern böse Schädlinge, die ganze Waldstriche zerstören. Inzwischen stürzen sich Borkenkäfer nicht mehr nur auf Fichten, sondern etwa auch auf Kiefern und Douglasien.

Harz und andere natürliche Feindes des Borkenkäfers

Ein gesunder Baum kann sich durch Harzproduktion gegen den Borkenkäfer wehren. Das Einbohren der Käfer löst im Baum Harzfluss aus, einzelne Käfer bleiben in der klebrigen Masse stecken, werden abgetötet und können folglich nicht in die Rinde eindringen.

Andere natürliche Feinde des Borkenkäfers sind Specht, Ameisenbuntkäfer und Schlupfwespen. Allerdings kann keiner von ihnen die Massenvermehrung unterbrechen oder verhindern. Denn die Käfer vermehren sich schneller, als sie die Borkenkäferlarven oder schon ausgewachsene Tiere fressen können.

Ist allerdings der Winter feucht und warm, entwickeln sich Schimmelpilze, die die überwinternden Eier, Borkenkäferlarven und Käfer befallen. Auch später Frost kann die Entwicklung der Population negativ beeinträchtigen.

Borkenkäferbefall und seine Folgen

Wie sich Buchdrucker ihre „Opfer“ aussuchen, ist bisher ungeklärt. Die Kupferstecher orientieren sich an den Duftsignalen geschädigter Bäume. Im Frühjahr fliegt der Pionierkäfer aus, sucht einen Wirtsbaum, legt also die Rammelkammer an und sendet anschließend Pheromone aus, um Artgenossen anzulocken. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier in der Kammer ab.

Nach sieben bis zehn Wochen können die Abkömmlinge dann bereits die nächste Generation ausbrüten. So können in einem Jahr bis zu drei Generationen Borkenkäfer im Wald entstehen, das sind zwischen 100 000 und 250 000 Käfer. Die Jungkäfer fliegen ihrerseits wieder aus und befallen andere Bäume.

Unter normalen Bedingungen kann sich ein Baum gegen Schädlinge wehren. Ist er aber zum Beispiel durch extreme Dürre oder andere Umwelteinflüsse geschwächt, fällt ihm das schwerer. Beim Bau seines Brutraums frisst sich der Borkenkäfer nämlich durch den sogenannten Bast, der zwischen Borke und Splintholz liegt. Dabei durchtrennt er die Leitungsbahnen, über die Nahrung aus den Nadeln in die Wurzeln transportiert wird. Bei starkem Borkenkäferbefall bekommen die Kronen kein Wasser mehr aus den Wurzeln. Besonders Fichtenwälder sterben so großflächig ab.

Auch wenn zu viele Tierchen auf einen Baum losgehen, kann er sich nicht mehr selbst schützen. Etwa 200 Käfer bringen die Harzabwehr zum Erliegen.

Fatal ist auch, dass der Harzduft weitere Käfer anzieht. Die zersetzen den Baum immer mehr, bis sie die Saftstromleitung unterbrochen haben und der Baum verdurstet. 

Die Schäden, die der Borkenkäfer anrichtet, haben sowohl Folgen für die Holzwirtschaft, die weniger Holz verkaufen kann, als auch fürs Klima. Gibt es weniger und weniger gesunde Bäume, wird auch weniger klimaschädliches CO2 im Wald gespeichert.

Besonders gefährdet für Borkenkäferbefall sind:

Wie erkennt man Borkenkäferbefall?

Schon früh kann man erkennen, ob ein Baum von den Schädlingen befallen wurde – wenn man genau hinsieht. Und das sollte man, denn die Überwachung und Borkenkäferbekämpfung sind gesetzliche Pflichten von Waldbesitzer*innen. Bei Verfehlen drohen Zwangsmaßnahmen und Bußgeldzahlungen.

Das Borkenkäfermanagement muss ganzjährig erfolgen. Denn obwohl die Käferchen zwischen April und September Hochsaison haben, kann ihnen auch der Winter oft nichts anhaben. Zu allem Überfluss sind die Viecher nämlich auch kälteresistent und überleben im Bodenbereich selbst bei Frost. Bis zu zwei Jahre alt kann ein Borkenkäfer werden.

Für Waldbesitzer*innen bedeutet das: regelmäßige Kontrolle. Das sogenannte Monitoring ist entscheidend. Denn schnelles Handeln ist die einzige Möglichkeit, Schlimmeres zu verhindern.

Der erste Hinweis auf Borkenkäferbefall ist das braune Bohrmehl, das die Insekten auswerfen, wenn sie ihre Kammern anlegen. Dieses findet man:

Suchen sollte man danach natürlich nicht nach Regen oder starkem Wind, denn dann wird der Staub weggeweht bzw. abgewaschen.

Außerdem sind Harztropfen ein Anzeichen für Befall und dass sich der Baum gegen ihn wehrt. Auch Spuren von Spechten können ein Hinweis sein. Bei genauerem Hinsehen kann man auch Ein- und Ausbohrlöcher im Stamm und an dicken Ästen erkennen.

Erste Schäden erkennt man, wenn im Sommer grüne Nadeln herabfallen. Ist der Baum geschädigt, färbt sich die Krone erst rot, dann grau. Schließlich fällt die Rinde ab.

Borkenkäfer - Ursachen, Befall, bekämpfen
(c) Markus Spiske/ Unsplash

Wie kann man Borkenkäfer bekämpfen?

Hat man Borkenkäfernester entdeckt, muss man das befallene Holz unverzüglich fällen und abfahren. Ist ein Abtransport nicht zeitnah möglich, können die Stämme entrindet, beregnet oder wassergelagert und so unschädlich gemacht werden.

Gebot Nummer 1 ist die saubere Waldwirtschaft. Das bedeutet, dass stets möglichst wenig bruttaugliches Material im Wald herumliegen soll. Die Folgen von Sturm und Schnee müssen also vor der Brutzeit des Borkenkäfers beseitigt werden.

Gab es einen Befall, muss auch in den Folgejahren regelmäßig kontrolliert werden.

Pheromonfallen (auch Borkenkäferfallen genannt) sind übrigens meist ungeeignet, um Borkenkäfer zu bekämpfen. Denn die Abschöpfungsrate ist zu gering, um diese zeit- und kostenintensive Maßnahme zu rechtfertigen.

Bei der Bekämpfung von Borkenkäfern wird den Waldbesitzer*innen übrigens unter die Arme gegriffen. Der Freistaat Bayern etwa hat ein 10-Punkte-Maßnahmenpaket verabschiedet, das umfangreiche finanzielle Hilfe bietet. Bis zu 12 Euro pro Festmeter Stammholz kann man bekommen, wenn Käferbäume rasch aufgearbeitet werden.

Fichtenwälder sind das natürliche Habitat des Borkenkäfers. Das Risiko der Massenvermehrung lässt sich dort nie vollständig ausräumen. Deshalb sollten Nadelwälder sukzessiv zu Mischwäldern umgebaut werden. Denn diese sind resistenter gegen Sturm, Trockenheit und Insektenbefall. Besonders an Südhängen und auf sehr trockenen Böden empfiehlt es sich, Nadelbäume zu pflanzen, die besser gewappnet sind als die Fichte.

TreePlantingProjects will mit Baumpflanzprojekten Monokulturen in widerstandsfähige Mischwälder umbauen. Du kannst uns dabei auf vielerelei Weise in deiner Region unterstützen. Schau dich doch gleich mal auf unserer Plattform um!

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