Welcher Baum nimmt eigentlich am meisten CO₂ auf?

Bäume sind gut fürs Klima. Aber welcher Baum ist am besten fürs Klima, also nimmt am meisten CO₂ aus der Atmosphäre auf? Eine komplexe Frage.
Welcher Baum nimmt am meisten CO2 auf?

Bäume binden Kohlenstoff und helfen damit die Menge an klimaschädlichen CO₂ in der Erdatmosphäre zu reduzieren. Um gegen die Klimakrise anzukämpfen, müssen wir also Bäume pflanzen. Nicht nur das, aber auch das. Und sollten wir, weil die Uhr ja tickt, deshalb nicht am besten die größten CO₂-Fresser, die es gibt, pflanzen? Und möglichst viele davon? Aber welche Bäume nehmen überhaupt am meisten CO₂ auf?

Spoiler Alert: Eine genaue Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Die Aussage „Baum X nimmt jährlich Y Kilogramm CO₂ auf“ ist wie zu sagen „Ein Deutscher trinkt jährlich 100 Liter Bier.“ Es gibt Deutsche, die überhaupt kein Bier trinken. Und es gibt solche, die pro Jahr deutlich mehr als einen Hektoliter kippen. So ist es beim CO₂-Konsum von Bäumen auch: Die Angaben sind immer Durchschnittswerte.

Denn wie viel CO₂ ein Baum absorbiert, ist schwierig zu errechnen, denn jeder ist einzigartig. Allerdings kann man sagen, welche Art von Baum unter welchen Bedingungen durchschnittlich am meisten CO₂ aufnimmt. So wie man beim Bierkonsum eine Rangfolge nach Nationalität aufstellen kann, so geht das beim CO₂-Konsum nach Baumart.

Wie Bäume CO₂ aufnehmen

Genaugenommen speichern Bäume gar nicht CO₂ – also Kohlenstoffdioxid – sondern lediglich Kohlenstoff. Bei der Photosynthese entnehmen Bäume der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid (CO₂), wandeln es in Kohlenstoff (C), und Sauerstoff (O₂) um. Den Kohlenstoff nutzen sie für ihr Wachstum und speichern es in ihrer Holzmasse. Den Sauerstoff geben sie wieder ab und produzieren so Atemluft für Mensch und Tier. Ein Gebot lautet: Ein gesunder, großer, alter Baum produziert am Tag Sauerstoff für 10 Menschen.

Klimaschädlich ist aber das Gesamtpaket, also das CO₂, das sich in der Atmosphäre befindet. Damit man die CO₂-Absorptionsrate von Bäumen (und damit ihren Effekt fürs Klima) berechnen kann muss der C-Gehalt eines Baumes mit 3,67 multiplizieren.

Kohlenstoffumschlagzeit von Bäumen

Die Zeit, in der ein Baum als CO₂-Speicher dient, bezeichnet man als Kohlenstoffumschlagzeit. Je größer und je älter ein Baum wird, desto länger entzieht er der Atmosphäre dauerhaft Kohlenstoffdioxid.

Was passiert aber, wenn ein Baum gefällt wird? Der Kohlenstoff bleibt auch nach seinem Tod weiterhin gespeichert. ForstBW etwa geht davon aus, dass ein Einfamilienhaus aus Holz etwa 80 Tonnen CO₂ speichert. Bäume sind also selbst nach ihrem Dienst im Wald auch als Baustoff weiterhin klimafreundlich.

Anders ist es, wenn ein Baum verrottet oder verbrennt. Dann wird der gespeicherte Kohlenstoff wieder freigesetzt. Und der positive Effekt fürs Klima ist dahin.

Übrigens: Die Baumsterblichkeit hat sich aufgrund der Klimakrise erhöht. Deshalb können Bäume nicht mehr so lange Kohlenstoff speichern, wie bisher gedacht.

Faktoren, die beeinflussen, wie viel CO₂ ein Baum aufnehmen kann

Man kann keine allgemeingültige Aussage darüber treffen, welcher Baum am meisten CO₂ aufnimmt. Denn die CO₂-Absorptionsrate hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Standort des Baums
  • Bodenqualität und Wasserversorgung
  • vorherrschendes Klima
  • Art des Waldes
  • Alter, Durchmesser, Höhe und Holzdichte

Nadelbäume sind zum Beispiel zwar das ganze Jahr grün und können entsprechend durchgängig CO₂ verwerten, allerdings tun sie das grundsätzlich auf einem niedrigeren Niveau als Laubbäume. So kann eine Buche bei gleicher Höhe und gleichem Durchmesser durchschnittlich 40 Prozent mehr CO₂ aufnehmen als eine Fichte.

Weil Solitärbäume mehr Platz haben, um ihre Wurzeln, Äste und Kronen auszubreiten, sind sie meist die größeren CO₂-Speicher als Waldbäume. Forscher*innen haben außerdem herausgefunden, dass Mischwälder einen rund doppelt so hohen CO₂-Speicher haben wie Monokulturen. Das liegt daran, dass artenvielfältige Wälder widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse wie Stürme oder Schädlinge sind.

Rangliste: Bäume als CO₂-Speicher

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hat die Kohlenstoff-Speicherleistung von Buche, Eiche, Fichte und Kiefer anhand von Baumhöhe und -durchmesser errechnet und die Wertebereiche grafisch dargestellt.

Welcher Baum nimmt am meisten CO2 auf? Beispielgrafik Fichte
Quelle: Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

Geht man beispielhaft von einer Höhe von 25 m und einem Durchmesser von 45 cm aus, ergibt sich folgende Rangliste:

  1. Buche
  2. Eiche
  3. Kiefer
  4. Fichte

Diese vier Baumarten stehen beispielhaft für andere, die ihnen in Wuchsform oder Holzdichte am ähnlichsten sind. Das bedeutet die Werte der Fichte können auch für Tanne oder Douglasie hergenommen werden, die der Eiche auch für Esche, Ulme und Robinie und die der Buche für Linde oder Kastanie.

Bäume fürs Klima pflanzen – oder doch besser Mais?

Ein Hektar Mais kann rund 30 Tonnen CO₂ pro Jahr aufnehmen. Ein Hektar Wald hingegen „nur“ rund 11 Tonnen. Und eine Maispflanze bindet mehr Kohlenstoff als ein Baum.

Also ist dieses ganze Bäume-fürs-Klima-pflanzen Quatsch? Sollten wir auf CornPlantingProjects umschwenken und lieber #GemeinsamAufmaisen?

Nein. Denn hier fehlt etwas Entscheidendes: Kontext. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen leistet Mais keinen Klimaschutz, weil er nicht langfristig existiert. Er wird geerntet und damit wird nicht nur seine CO₂-Speicher-Karriere beendet, sondern durch die Verarbeitung etwa wieder so viel Kohlenstoff freigesetzt, wie vorher absorbiert wurde.

Was wenn man Mais einfach nicht erntet? Auch dann wächst kein fünf Meter hoher Maisbaum, der es mit der CO₂-Speicherkapazität einer Eiche aufnehmen könnte. Die nicht geerntete Pflanze verrottet stattdessen, Bodenorganismen zersetzen ihre Reste und setzen dabei etwa so viel CO₂ frei, wie der Mais zu Lebzeiten aufnehmen konnte.

Eine Nullnummer also. Zurück zu den Bäumen.

Was bedeutet das für Aufforstungsprogramme wie TPP?

Was lernen wir nun aus dieser Faktenlage für unsere Aufforstungsprojekte gegen die Klimakrise?

  1. Jeder Baum, der gepflanzt wird, lohnt sich. Denn alle Bäume reduzieren den CO₂-Gehalt in der Atmosphäre.
  2. Weil alte Bäume viel CO₂ speichern, ist es wichtig, sie zu schützen.
  3. Mischwälder sind besser als Monokulturen.
  4. Mais ist nicht der heiße Scheiß.

Möchtest du an den Aufforstungsprojekte von TPP mitwirken? Dann bringe dich ein – mit einer Spende oder deiner Mithilfe!

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