Baumporträt: Die ahornblättrige Platane

Baumporträt ahornblättrige Platane

Die ahornblättrige Platane ist ein Kandidat für den Baum des Jahres 2022. Ich möchte sie gerne etwas genauer vorstellen.

Wer ist die ahornblättrige Platane?

Vermutlich leidet die Platane unter einem Syndrom, das auch mich als zweitgeborenen Sohn bis heute begleitet: nämlich dem Verwechseltwerden mit dem großen Bruder. 

Wobei das eigentlich sehr ungenau ist und auch nicht ganz den verwandtschaftlichen Beziehungen entspricht.Tatsächlich und genauer könnte man es vielleicht mit dem Verwechseln einer Person mit einer prominenten Person vergleichen, was einer genaueren Überprüfung dann aber nicht standhält. 

Auch der Name „ahornblättrig“ entstammt dieser Ähnlichkeit mit den originalen „ahornartigen“. Sinn dieser Namensgebung war vermutlich, ein klares Bild hervorzurufen, um sie schnell von anderen Platanen unterscheiden zu können.

Denn so gut wie jeder kennt das charakteristische Blatt des „Ahorns“, zum Beispiel von der kanadischen Nationalflagge. 

Diese Assoziation birgt damit aber auch einen Fallstrick, um mit der falschen Art verwechselt zu werden.

Während meiner Tätigkeit in einem städtischen Bauamt habe ich oft Anrufe bekommen, bei denen sich die Bürger über den Wuchs, die Blätter und vieles mehr des vermeintlichen Ahorns beschwert hatten. Es handelte sich aber fast immer um eine Platane, genauer eben um die ahornblättrige.

Wie man vermeidet, in die Namensfalle zu tappen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Entstehung der Art

Die ahornblättrige Platane entstammt einer Kreuzung aus zwei Platanenarten. Sie ist somit ein Bastard (ein Sprössling zweier unterschiedlicher Arten).

Solche Arten von Züchtungen haben oft zum Ziel, positive Eigenschaften der einen Art mit denen einer anderen Art zu kombinieren. Manchmal entsteht dabei eine ganz tolle neue Art, manchmal aber auch genau das Gegenteil. Oftmals kann sich diese neue Art dann nicht weiter fortpflanzen.

Die Kreuzung entstand vermutlich 1650 aus der morgenländischen Platane und der amerikanischen Platane.

Eine der positiven Eigenschaften dieser Neukreation im Vergleich zu den Eltern ist beispielsweise, dass die ahornblättrige Platane sehr winterhart ist, die morgenländische Art dagegen nicht.

Die ahornblättrige Platane (Platanus hispanica) ist ein Baum aus der Familie der Platanengewächse, weshalb sie auch den Zusatz „Platanus“ im lateinischen Namen trägt.

Platane leitet sich übrigens aus dem Wort „Platys“ ab, was soviel wie breit bedeutet und auf die ausladende Krone dieses Baumes zurückgeht. Ahorne wiederum, mit denen sie wie gesagt gerne verwechselt wird, gehören der Familie der Seifenbaumgewächse an und sind also mit ihr weder verwandt noch verschwägert. 

Erscheinungsbild der ahornblättrigen Platane

Wurzeln

Da ihre Eltern sich ursprünglich in Auengebieten ansiedelten, mag die ahornblättrige Platane frischen, tiefgründigen Boden.

Sie besitzt ein Herzwurzelsystem, was bedeutet, dass sie neben tiefen senkrecht in den Boden ragenden auch einige eher flach in die Breite gehende Wurzeln besitzt. Sie kombiniert dabei sozusagen die Vorteile der beiden anderen Wuchsformen (Flach- und Pfahlwurzler) und ist dadurch sehr wind- und wetterbeständig.

In ihrer bei uns sehr häufig vorkommenden Verwendung als Straßen- und Stadtbaum kann die Wurzelform aber auch davon abweichen. 

Stamm und Knospen

Es handelt sich bei der ahornblättrigen Platane um einen schnell wachsenden, bis zu 45 Meter hoch werdenden, sommergrünen Baum.

Die Krone ist sehr ausladend und hochgewölbt. Der Stamm ist meist relativ kurz und wird gleich den dickeren Ästen geschenkt.

Charakteristisch ist eine sich in großen dünnen Platten ablösende, gelb- bis graubraune Borke. Die jungen Zweige sind hin und her gebogen und anfangs mehr oder weniger wollig behaart. 

Blätter

Die Blattnarben (Entstehungsstellen des Blattes am Ast) sind wechselständig (also einmal links, dann rechts …) angeordnet. Auch hierin unterscheidet sie sich vom Ahorn, dessen Blattnarben gegenständig angeordnet sind.

Die Knospen sind kegelförmig, anfangs grün, später olivgrün bis rotbraun und 3-10mm lang. Eine Besonderheit ist dabei, dass diese Platane nur eine Knospenschuppe besitzt. 

Die Blätter sind drei- bis fünflappig und werden 12 bis 25 cm groß. Wie erwartet ähneln sie denen der Ahorne in der Grundform, sind jedoch meist nur dreilappig (wohingegen ein Ahornblatt meist fünf Lappen aufweist). 

Sehr einfach zu unterscheiden ist die Plantane im Herbst vom Ahorn. Während dieser früh seine bekannten Herbsfarben annimmt, bleibt die Platane noch sehr lange grün. 

Blüten

Da die ahornblättrige Platane einhäusig getrenntgeschlechtlich ist, bilden sich auf einem Baum weibliche und männliche Blüten. Diese erscheinen mit den Blättern im Mai und bilden Blütenkätzchen mit einem 6-8cm langen Stiel aus.

Die männlichen Blüten sind grünlich-gelb gefärbt und klein, während die weiblichen etwas größer und eine karminrote Einfärbung besitzen.

Früchte

Auch hier unterscheidet sich die ahornblättrige Platane sehr deutlich von den Doppelgängern, den Ahornen. Während die Ahorne die klassischen Flügelchen in verschiedenen Winkeln haben, die man sich als Kind auf die Nase gesetzt hat, besitzt unsere porträtierte Art nussartige kugelige Früchte, die eher an Kastanien erinnern.

An einem Fruchtstand befinden sich meist zwei, manchmal drei Früchte. Diese trägt sie bis sie im Frühjahr zu Boden fallen.

Die Früchte sind grundsätzlich nicht giftig. 

Vorkommen und Verwendung der ahornblättrigen Platane

Als eine der Luftverschmutzung gegenüber widerstandsfähige Art wird die ahornblättrige Platane sehr gerne in Städten als Alleebaum oder Begleitgrün verwendet. Von dort ist sie vermutlich auch den meisten bekannt.

Daher ist es aber auch häufig so, dass die oben beschriebene Wuchsform oft nicht dem Bild entspricht, welches man von ihr hat. Der Grund ist, dass Bäume in Städten oft zurückgeschnitten werden, teilweise sogar sehr radikal. Auch dies macht die ahornblättrige Platane gut mit und reagiert mit kräftigem Ausschlag in den Folgejahren. 

Das Holz der ahornblättrigen Platane ist hochwertig und wird für Intarsienarbeiten und manchmal auch Möbel verwendet.

Zusammen mit den Blättern und Früchten wurde das Holz früher außerdem für medizinische Anwendungen und Herstellung von braunen Farbstoffen verwendet. 

Krankheiten und Schädlinge

Vor allem der sogenannte Platanenkrebs macht der Platane vielerorts schwer zu schaffen. Er wird von einem Pilz verursacht wird. Dieser dringt an Rindenwunden oder Wurzelverwachsungen ein und befällt dann sukzessive den kompletten Baum, der nach zwei bis drei Jahren schlussendlich komplett abstirbt.

Anfangs ist die Erkrankung durch eine lichte Krone und verfärbte Blätter, im Endstadium dann durch sich flammenförmig verbreitende Rindenverfärbungen erkennbar.

In Frankreich fielen dem Pilz bis jetzt circa zehn Prozent der 42.000 Exemplare einer Allee entlang des Canal du Midi zum Opfer. Trotz umfangreicher Studien konnte bis dato keine Methode gefunden werden, dieser Krankhalt Einhalt zu gebieten. 

Ursprünglich stammt der Pilz aus Nordamerika und wurde seit 1945 von dort durch mit befallenen Waffenkisten nach Frankreich exportiert. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist er auch nördlich der Alpen in Genf aufgetreten.

Dadurch scheidet dieser, eigentlich als Ersatz für die bei uns durch das Eschentriebsterben stark gefährdete Esche bestens geeignete Kandidat, leider aus für den forstlichen Einsatz aus.

Abgesehen vom Befall durch den Platanenkrebs ist die Platanus hispanica grundsätzlich relativ robust und widerstandsfähig. 

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